9️⃣ Android frei halten

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Du kannst helfen

Du kannst was tun, egal ob du ein Android-Phone, ein iPhone oder sonst was benutzt. Falls du bereits weisst, worum es geht, und direkt etwas unternehmen willst, kannst du direkt zu "Was kannst du tun" springen.

Eigener Artikel

Heute gibt es ausnahmsweise keine Empfehlung für eine Alternative. Denn eine der grossen offenen Alternativen ist bedroht: das offene Mobiltelefon-Betriebssystem Android. Ich habe es bereits in zwei anderen Artikeln erwähnt. Ich finde aber, dass dieses Thema einen eigenen Artikel verdient. Denn die Zeit wird knapp. Im Herbst 2026 will Google neue Richtlinien einführen, die sehr folgenreich für die Freiheit bei den Smartphones sein können.

Google bedroht die Freiheit

Um was geht es?

Stell dir vor, nur noch von einem grossen Supermarkt verifizierte Bauern/Bäuerinnen dürfen Lebensmittel verkaufen. Wenn du also ein Erdbeerfeld hast und frische Erdbeeren verkaufen willst, geht das nur noch, wenn du ein Siegel von diesem Supermarkt hast. Das ist für grosse Erdbeerfarmen machbar, aber für dich als Einzelperson mit einem kleinen Feld unter anderem aus finanziellen Gründen nicht. Der Supermarkt würde die Siegelpflicht damit begründen, dass sie hiermit sicherstellen können, dass nur noch reife und gesunde Erdbeeren auf dem Markt sind. Tönt erstmal gut, aber stimmt nicht ganz. Denn es können sich auch grosse Firmen einschmuggeln, welche ungesunde Erdbeeren anbieten. Denn der Supermarkt kann nicht alles perfekt kontrollieren.

Für dich als Konsument:in bedeutet das:

  • Du kannst auch nur noch Erdbeeren von verifizierten Bauernbetrieben kaufen.
  • Du verlierst komplett deine Eigenverantwortung. Denn wenn die Erdbeeren deines Nachbarfeldes nicht zertifiziert sind, kannst du sie auch nicht mehr kaufen. Auch wenn es die Nachbar:innen deines Vertrauens sind.

Genau das will Google nun machen. Nicht mit Erdbeeren, sondern mit Apps:

Google will ab September 2026 eine Entwickler:innen-Verifizierung einführen. Was harmlos tönt, bedroht (unter dem Deckmantel der Sicherheit) die Offenheit des Android-Systems.

Neu können nur noch Apps von Entwickler:innen installiert werden, welche eine Gebühr an Google bezahlen, sich deren Nutzungsbedingungen unterwerfen und einen amtlichen Ausweis bei Google hinterlegen. Viele kleine Entwickler:innen werden da nicht mitmachen (können). Der freie F-Droid Store (siehe meinen F-Droid-Artikel) hat bereits angekündigt, dass es sich vermutlich nicht mehr lohnen wird, ihren Store aufrechtzuerhalten. Das heisst, wir verlieren die Freiheit, es wird nur noch den zentralen Google-Store geben und es ist nur noch über komplizierte Umwege möglich, trotzdem Apps ausserhalb von Googles Kontrolle zu installieren. Paradox ist, dass die EU seit 2024 Apple zwingt, auch andere App-Stores zuzulassen (zumindest in EU-Mitgliedsländern). Während Apple sich öffnen muss, versucht Google, nun auf diesem Weg vieles abzuriegeln. 

Miteinander ist Sicherheit schöner

Niemand will Apps mit Viren auf dem Smartphone haben. Auch ich nicht. Doch die Frage ist, wie wir als Gesellschaft am sichersten sind. Ist es die Kontrolle von Google? Dass Google (oder auch Apple) ihre Apps genau überprüfen, finde ich grundsätzlich gut und wichtig. Dennoch glaube ich, dass die sicherste Variante darin besteht, dass wir alle aufmerksam sind und selber die Augen offen haben. Jetzt denkst du vielleicht: Wie soll ich denn erkennen, ob eine App sicher ist? Einerseits gibt es da einige Fragen, die du dir bei neuen Apps stellen kannst (siehe unten). Andererseits ist genau das die Stärke von Open Source: Es gibt eine grosse Gemeinschaft. Viele Menschen dieser Open Source Gemeinschaft schauen sich täglich Apps und Programme an und entdecken so Fehler, Schlupflöcher und Viren. Und sie machen uns auf diese aufmerksam. Wir sind auf dieser Welt nicht alleine. Täglich arbeiten wir Menschen zusammen, um vieles zu erreichen. Es braucht ein Team, um einen Hausbau zu realisieren, eine Schule zu führen, Menschen zu betreuen usw. Ich finde, wir können auch im Technikbereich auf dieses Miteinander vertrauen. Und ganz nebenbei: Es verbietet niemand Apps vom offiziellen Google Play Store. Im Moment existieren einfach verschiedene Wege. Und wenn du keine alternativen Installationswege nutzen möchtest, ist das komplett ok.

Alles, was ich mir wünsche, ist, dass die alternativen Wege offenbleiben. Denn viele Menschen nutzen diese.

Unterstützende Fragen für neue Apps

  • Ist es eine offizielle App (z.B. Banking-Apps, SBB/Deutsche Bahn, Threema etc.)?
  • Worauf hat die App Zugriff? (Eine Taschenlampen-App, die Zugriff auf meine Kontakte will, ist mir suspekt.)
  • Von wem wird die App entwickelt?
  • Wie sieht die Webseite des Entwickler:innenteams aus?
  • Gibt es Empfehlungen für die App (z.B. von Digitalcourage)?
  • Welche Daten muss ich angeben, wenn ich die App benutzen will?

Alternative Betriebssysteme

Hast du gewusst, dass es entgoogelte Betriebssysteme gibt? Z.B. vertreibt Fairphone (niederländische Herstellerin eines möglichst fairen und ökologischen Smartphones) ihre Fairphones 6 wahlweise mit dem "herkömmlichen" Android oder der entgoogelten Variante, dem /e/OS. Und dieses bezieht einen Teil seiner Apps vom F-Droid Store. Ich habe keine Ahnung, welche Auswirkungen die Google-Massnahmen haben werden. Falls es nach den Massnahmen F-Droid nicht mehr gibt, könnten auch solche grossen und freien Projekte gefährdet sein.

Weitere Infos

Auf https://keepandroidopen.org/de/ ist das Thema übersichtlich und ausführlich beschrieben.

Was kannst du tun?

Du kannst über das Online-Formular der Wettbewerbskommision (WEKO) der Schweiz eine Anfrage starten. Wenn dies genügend Menschen machen, gibt es vielleicht Sanktionen gegen Google.

Schritt 1: Link öffnen (https://www.weko.admin.ch/de/hinweise-zu-unzulaessigen-verhaltensweisen)

Schritt 2: Formular ausfüllen und vorbereiteter Text einfüllen (erstellt mit LUMO, der datenschutzfreundlichen Schweizer KI):

Sehr geehrte WEKO,

Ich bitte um Prüfung eines möglichen Missbrauchs marktbeherrschender Stellung durch Google LLC in der Schweiz.

Google führt eine verpflichtende Entwickler:innenverifizierung ein, die das Sideloading (Installation ausserhalb des Play Stores) faktisch blockiert. Dies trifft kleine Open-Source-Projekte und unabhängige Entwickler:innen unverhältnismässig hart, während Grosskonzerne die Hürden leicht nehmen.

Mit ca. 50 % Android-Marktanteil in der Schweiz und der Kontrolle über den einzigen vorinstallierten Store übt Google eine Gatekeeper-Funktion aus. Die Massnahme verzerrt den Wettbewerb, schränkt die Konsument:innen ein und wandelt Android in einen geschlossenen «Walled Garden». Dies widerspricht dem Geist des offenen Marktes und könnte Art. 7 KG verletzen.

Ich bitte um Eröffnung eines Untersuchungsverfahrens, um den freien Zugang zu alternativen App-Quellen und den fairen Wettbewerb zu sichern.

Mit freundlichen Grüssen, [Dein Name]

Quellen